P2P-Kredit investieren ohne Renditemärchen: was realistisch drin ist

P2P-Kredit investieren ohne Renditemärchen: was realistisch drin ist

„Bis zu 14 Prozent Rendite” steht groß auf der Startseite sämtlicher P2P-Kredit plattformen und lockt die meisten Menschen an. Doch das „bis zu” sagt nur etwas über die Obergrenze der möglichen Rendite aus, und kaum jemand erreicht diese Quote. Viele Plattformen weisen auf möglichst hohe Renditen hin, doch hinter diesen Zahlen verstecken sich mehrere Abzüge. Wer ehrlich rechnet, zieht von der angepriesenen Zahl immer wieder einiges ab.

Warum „bis zu” fast nie „im Schnitt” bedeutet

Die angepriesene höchste Rendite wird meistens bei den riskantesten Krediten angeboten. Oft gilt sie auch nur bei besonderen Bonusaktionen für neue Kunden. Die tatsächliche durchschnittliche Rendite liegt eher bei 6 bis 12 Prozent.

Plattformen, die in ihren Whitepapers die genauen Zahlen für die einzelnen Renditen ausweisen, zeigen das transparenter. Bei Maclear etwa wird eine Zielrendite von bis zu 14 Prozent als Basisverzinsung genannt; höhere Renditen werden nur bei besonderen Bonusaktionen eingeräumt, die nicht jeder Anleger erhält.

Die Abzüge, die niemand fett druckt

Die ausgewiesene Rendite ist nicht die, die am Ende beim Anleger ankommt. Die tatsächlich erreichte Rendite wird durch mehrere Faktoren eingeschränkt:

AbzugspostenWirkung auf die Rendite
AusfälleNicht jeder Kredit wird von den Kreditnehmern zurückgezahlt
CashdragNicht investiertes Geld bringt keine Rendite
GebührenPlattformen verlangen je nach Angebot unterschiedliche Gebühren
SteuernZinsen aus P2P-Krediten sind Einkünfte aus Kapitalvermögen und werden mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag (rund 26,4 Prozent) versteuert

Jeder dieser Abzüge ist für sich genommen klein, doch zusammen führen sie zu einer erheblich geringeren Rendite. 10 Prozent Bruttorendite führen so zu deutlich weniger als 10 Prozent netto.

Was die Steuer in Deutschland wegnimmt

Die Besteuerung von P2P-Investitionen in Deutschland funktioniert anders als bei der Bank. Die Zinsen aus P2P-Krediten gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, also rund 26,4 Prozent. Gegebenenfalls kommt noch die Kirchensteuer hinzu.

Zwei Besonderheiten:

  • Du musst die Steuer selbst abführen. Besonders ausländische Plattformen führen die Steuer auf die Zinsen nicht für dich ab. Du musst die Zinsen selbst in der Anlage KAP der Steuererklärung eintragen, auch dann, wenn der Betrag unter dem Freibetrag liegt.
  • Der Sparerpauschbetrag. Jährlich bleiben bei Einzelveranlagung bis zu 1.000 Euro und bei zusammen veranlagten Paaren bis zu 2.000 Euro an Kapitalerträgen steuerfrei. Erst darüber wird die Abgeltungssteuer erhoben.

Hinweis: Verluste aus Krediten werden nicht mit Einkünften aus Vermietung oder Gewerbe verrechnet. Das macht den Renditeabzug etwas weniger schmerzhaft.

Eine ehrliche Beispielrechnung

Statt mit der angekündigten Rendite zu rechnen, hier die ehrliche Variante. Angenommen, die Portfolio-Rendite liegt bei 9 Prozent:

  • 5.000 Euro mit 9 Prozent Bruttorendite = 450 Euro Zinsen jährlich
  • Minus Ausfälle und Cashdrag = 380 bis 410 Euro
  • Minus 26,4 Prozent der Zinsen oberhalb des Freibetrags

Die genaue Höhe hängt von der persönlichen Veranlagung ab. Dennoch wird deutlich, dass die 9 Prozent nicht mehr als eine Bruttorendite sind. Wer mit den Nettozahlen rechnet, wird von der Entwicklung seiner Anlage nicht überrascht. Wer mit der Werbung von „bis zu 14 Prozent” plant, wird enttäuscht.

Was realistisch drin ist

P2P-Kredite können bei der Rendite tatsächlich oberhalb von Tagesgeld liegen. Doch die real erreichte Nettorendite bewegt sich in deutlich niedrigeren Prozentbereichen. Sie ist zugleich der Lohn für das übernommene Risiko: bei einzelnen Krediten kann es zu einem Totalverlust kommen.

In P2P-Kredite zu investieren, ohne mit Renditemärchen zu planen, heißt, sich bewusst für eine renditestarke, aber eben auch riskante Form der Beteiligung an den Finanzmärkten zu entscheiden. Die richtige Investition ist deshalb nicht so aufregend wie die Schlagzeilen der einzelnen Plattformen, aber sie ist diejenige, mit der man tatsächlich rechnen kann.

Author

  • Ich berate wachstumsstarke KMU und Start-ups bei ihrer Finanzierungsstrategie und Geschäftsentwicklung. Kürzlich begleitete ich ein deutsches Scale-up bei einer Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 85 Millionen Euro. Mein Fachwissen umfasst Unternehmensbewertung, Transaktionsstrukturierung und Investor Relations.

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